Das Gebet eines Pferdes

Gib mir zu fressen, gib mir zu trinken und sorg für mich.

Und wenn des Tages Arbeit getan ist,
gib mir ein Obdach, ein sauberes Lager
und einen nicht zu kleinen Platz im Stall.

Rede mit mir, Denn oft ersetzt mir Deine Stimme die Zügel.
Sei gut zu mir und ich werde Dir noch freudiger dienen und Dich gern haben.

Reiß nicht an den Zügeln,
greif nicht zur Peitsche, wenn es aufwärts geht.

Schlage und stoße mich nicht, wenn ich Dich missverstehe,
sondern gib mir die Zeit Dich zu verstehen.

Halte mich nicht für ungehorsam,  wenn ich Deinen Willen nicht erfülle,
vielleicht sind Sattelzeug und Hufe nicht in Ordnung.

Prüfe meine Zähne, wenn ich nicht fressen mag, vielleicht tut mir ein Zahn weh,
Du weißt wie das schmerzt.
Halftere mich nicht zu kurz und kupiere meinen Schweif nicht, er ist die einzige Waffe gegen Fliegen.

Und wenn es zu Ende geht, geliebter Herr,  wenn ich Dir nicht mehr zu nutzen vermag,
lasse mich bitte nicht hungern und frieren und verkaufe mich nicht.
Gib mich nicht an einen anderen Herrn, der mich langsam zu Tode quält und mich verhungern läßt,
sondern sei so gut und bereite mir einen schnellen barmherzigen Tod.

Gott wird es Dir lohnen, hier und in Ewigkeit.

Lass mich dies von Dir erbitten und glaube nicht, daß es mir an Ehrfurcht gebricht,
wenn ich es im Namen tue, der in einem Stall geboren ist.   Amen                                

 

„Kurz vor dem Hungertod oder gut im Futter?“
Bericht aus der Rheinpfalz vom 02.06.06  Mit Genehmigung der Redakteurin Martina Benkel

 

Langsam und unsicher trotten drei Pferde an den Rand der Koppel, mitten im Wald zwischen Horbach und Weselberg.

„Das darf doch nicht wahr sein“, schimpft Renate Brötz, vom Verein „Pferde in Not“. Auch Christel Wilhelm vom Tierschutzverein Pirmasens ist entsetzt: „Die können ja kaum noch laufen.“

Nachdem ein Spaziergänger die Tierschützer auf den schlechten Zustand der Pferde aufmerksam gemacht hat, wollten sie sich eigentlich mit dem Kreisveterinär Heinz Bambauer die Pferde gemeinsam ansehen. Der nahm den Termin jedoch nicht wahr und so betrachten sich Harald Klein, der Geschäftsführer von „Pferde in Not“, Karl Bohl vom Tierschutzverein und Brötz die zwei Stuten und den Hengst alleine. „Die Tiere sind absolut unterernährt“, stellt Klein, der selbst etliche Pferde hält, fest. Die Rippen der beiden Stuten seien deutlich sichtbar, die Beckenknochen ständen hervor. Außerdem weise das Fell auf Parasitenbefall hin. Da keinerlei Muskulatur vorhanden sei, könne man davon ausgehen, dass zumindest die weiblichen Pferde über längere Zeit nur im Stall gestanden hätten. Der Zustand des Hengstes sei  besser. Geschockt stellt Klein fest, das die ziemlich abgegraste Weide sogar mit Stacheldraht eingezäunt ist, an dem sich die Tiere verletzen könnten.

Der Halter der Pferde ist beim Tierschutzverein kein Unbekannter und so fahren die Mitglieder der Tierschutzorganisationen kurzerhand zu seinem Hof in Heltersberg. Dort erfahren sie, dass der Kreisveterinär bereits eine Stunde vor ihnen da war und keine Mängel feststellen konnte. Bereitwillig zeigt der Pferdebesitzer seinen Stall. Dort können Klein und Brötz sich davon überzeugen, dass es den Tieren gut geht.

Ein Stück hinter dem Hof allerdings entdecken sie eine Weide. „Auch dieses Pferd ist in einem schlechten Zustand“, sind sich Klein, Brötz, Wilhelm und Bohl einig.  

 

  Unverständnis über die Wertung des Veterinärs kommt auf. „Es stimmt, dass die Pferde im Stall in Ordnung sind, der Stall ist auch sauber. Aber die Tiere  im Freien sind in einem erbärmlichen Zustand und stehen eigentlich kurz vor dem Hungertod“, ist sich Klein sicher.

Das stimme so auf keinen Fall, war von der Sprecherin der Kreisverwaltung, Ulla Eder, zu erfahren. „Unser Veterinär hat festgestellt, dass die Tiere auf keinen Fall abgemagert sind“, berichtete Eder auf Anfrage. Bambauer habe auch, bei dem Besuch der Horbacher Koppel, festgestellt, dass bei den Tieren die Muskulatur durchaus ausgebildet sei. Tatsächlich seien die Tiere zwar etwas schmal: „Aber bei uns Menschen gibt es ja auch dicke und dünne Personen.“  Der Zustand der Stuten sei keinesfalls bedrohlich. Das könne auch über die Ausscheidungen der Tiere beurteilt werden, die Bambauer auf der Koppel fand: „Bei solchen Pferdeäpfeln muss genügend Futter vorhanden sein.“ Vielmehr sei es sogar richtig, dass die Pferde in diesem Alter, das Bambauer auf etwa zwei Jahre schätzt, nur auf der Weide stehen und nicht zugefüttert werden. Auch über den Zustand des Fells gebe es keinen Anlass zu klagen: „Die Tiere sehen zur Zeit alle etwas struppig aus, weil sie gerade vom Winterfell zum Sommerfell wechseln.“ Fellkrankheiten habe er keine erkennen können. Auch sei noch bis zum Wochenende genügend Gras auf dem Gelände, Wasser sei in Form einer Quelle vorhanden. Als natürlicher Unterstand dienten die Bäume, die das Grundstück umgeben. Weiterhin habe der Besitzer der Tiere angegeben, die Pferde erst vor einigen Wochen gekauft zu haben und sei gerade dabei, sie aufzupäppeln. „Seltsam, ich habe die Pferde bereits vor einigen Wochen angeschaut und finde, dass sich ihr Zustand bestimmt nicht gebessert hat“, wunderte sich Bohl über diese Aussage.
 

Dass die von den Tierschützern gemachten Angaben von dem Veterinär in Frage gestellt werden, kann Klein kaum fassen: „Wenn diese Pferde laut Bambauer in einem mittelguten Ernährungszustand sind, dann muss ich mich fragen: Wie bitte sieht dann ein schlecht ernährtes Pferd aus?“ (rnk)

 

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