| Das Gebet
eines Pferdes
Gib mir zu fressen,
gib mir zu trinken und sorg für mich. Rede mit mir, Denn oft ersetzt mir Deine Stimme die Zügel. |
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„Kurz vor dem Hungertod
oder gut im Futter?“
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Langsam und unsicher trotten drei Pferde an den Rand der Koppel, mitten im Wald zwischen Horbach und Weselberg. „Das darf doch nicht wahr sein“, schimpft Renate Brötz, vom Verein „Pferde in Not“. Auch Christel Wilhelm vom Tierschutzverein Pirmasens ist entsetzt: „Die können ja kaum noch laufen.“ Nachdem ein Spaziergänger die Tierschützer auf den schlechten Zustand der Pferde aufmerksam gemacht hat, wollten sie sich eigentlich mit dem Kreisveterinär Heinz Bambauer die Pferde gemeinsam ansehen. Der nahm den Termin jedoch nicht wahr und so betrachten sich Harald Klein, der Geschäftsführer von „Pferde in Not“, Karl Bohl vom Tierschutzverein und Brötz die zwei Stuten und den Hengst alleine. „Die Tiere sind absolut unterernährt“, stellt Klein, der selbst etliche Pferde hält, fest. Die Rippen der beiden Stuten seien deutlich sichtbar, die Beckenknochen ständen hervor. Außerdem weise das Fell auf Parasitenbefall hin. Da keinerlei Muskulatur vorhanden sei, könne man davon ausgehen, dass zumindest die weiblichen Pferde über längere Zeit nur im Stall gestanden hätten. Der Zustand des Hengstes sei besser. Geschockt stellt Klein fest, das die ziemlich abgegraste Weide sogar mit Stacheldraht eingezäunt ist, an dem sich die Tiere verletzen könnten. Der Halter der Pferde ist beim Tierschutzverein kein Unbekannter und so fahren die Mitglieder der Tierschutzorganisationen kurzerhand zu seinem Hof in Heltersberg. Dort erfahren sie, dass der Kreisveterinär bereits eine Stunde vor ihnen da war und keine Mängel feststellen konnte. Bereitwillig zeigt der Pferdebesitzer seinen Stall. Dort können Klein und Brötz sich davon überzeugen, dass es den Tieren gut geht. Ein Stück hinter dem Hof allerdings entdecken sie eine Weide. „Auch dieses Pferd ist in einem schlechten Zustand“, sind sich Klein, Brötz, Wilhelm und Bohl einig.
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Unverständnis über die
Wertung des Veterinärs kommt auf. „Es stimmt, dass die Pferde im Stall in
Ordnung sind, der Stall ist auch sauber. Aber die Tiere im Freien sind in
einem erbärmlichen Zustand und stehen eigentlich kurz vor dem Hungertod“,
ist sich Klein sicher.
Das
stimme so auf keinen Fall, war von der Sprecherin der Kreisverwaltung, Ulla
Eder, zu erfahren. „Unser Veterinär hat festgestellt, dass die Tiere auf
keinen Fall abgemagert sind“, berichtete Eder auf Anfrage. Bambauer habe
auch, bei dem Besuch der Horbacher Koppel, festgestellt, dass bei den Tieren
die Muskulatur durchaus ausgebildet sei. Tatsächlich seien die Tiere zwar
etwas schmal: „Aber bei uns Menschen gibt es ja auch dicke und dünne
Personen.“ Der Zustand der Stuten sei keinesfalls bedrohlich. Das könne
auch über die Ausscheidungen der Tiere beurteilt werden, die Bambauer auf
der Koppel fand: „Bei solchen Pferdeäpfeln muss genügend Futter vorhanden
sein.“ Vielmehr sei es sogar richtig, dass die Pferde in diesem Alter, das
Bambauer auf etwa zwei Jahre schätzt, nur auf der Weide stehen und nicht
zugefüttert werden. Auch über den Zustand des Fells gebe es keinen Anlass zu
klagen: „Die Tiere sehen zur Zeit alle etwas struppig aus, weil sie gerade
vom Winterfell zum Sommerfell wechseln.“ Fellkrankheiten habe er keine
erkennen können. Auch sei noch bis zum Wochenende genügend Gras auf dem
Gelände, Wasser sei in Form einer Quelle vorhanden. Als natürlicher
Unterstand dienten die Bäume, die das Grundstück umgeben. Weiterhin habe der
Besitzer der Tiere angegeben, die Pferde erst vor einigen Wochen gekauft zu
haben und sei gerade dabei, sie aufzupäppeln. „Seltsam, ich habe die Pferde
bereits vor einigen Wochen angeschaut und finde, dass sich ihr Zustand
bestimmt nicht gebessert hat“, wunderte sich Bohl über diese Aussage. Dass die von den Tierschützern gemachten Angaben von dem Veterinär in Frage gestellt werden, kann Klein kaum fassen: „Wenn diese Pferde laut Bambauer in einem mittelguten Ernährungszustand sind, dann muss ich mich fragen: Wie bitte sieht dann ein schlecht ernährtes Pferd aus?“ (rnk)
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